Das ARCHIV – Teil 1 – die analogen Jahre

Die Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es ist die Zeit als wichtige technische Unterscheidungen in der Fotografie z. B. eine Frage des Formates sind. Wir kennen Kleinbild, Mittelformat und Großbild und wir unterscheiden zwischen 35mm-Film, Rollfilm und Planfilm (… für die ‘Plattenkamera’ – jenes Ungeheuer, das Fotografen noch unter das schwarze Tuch zwang.) Außerdem haben wir es mit Schwarzweiß- und Color-Material zu tun, mit Negativen, Dias und jeder Menge Polaroids. Und damit betreiben wir Fotografie. Heute heißt das, was wir damals machen, analoge Fotografie. Ein Begriff, den wir zu der Zeit noch gar nicht im Wortschatz haben.
Und mit Photoshop bezeichnet man allenfalls einen Laden, in dem man sein Material kauft.

Fotografie bedeutet damals vor allem eines: sehr genau zu arbeiten. Es ist eine Frage der Ehre, auf Retuschearbeiten zu verzichten. Sie sind aufwendig und sehen zudem meist sehr künstlich aus. Nein, wir haben den Ehrgeiz, ein fertiges Bild abzugeben. Eine große Herausforderung!
Das selbstverständlich exakt belichtete Dia zeigt nämlich gnadenlos jeden Fehler, jeden Kratzer, jeden falsch gesetzten Tropfen. Retusche und Composings finden vor der Kamera statt. Neben einer anspruchsvollen Bildgestaltung sind vor allem technische Lösungen gefragt. Es ist die Zeit der Tricks und Effekte. So stechen vermutlich Tausende von Fotografen mit kleinen Nadeln kleine Löcher in schwarze Hintergrundkartons, um Sternenhimmel zu erzeugen. Wir verbringen viel Zeit damit, Befestigungen zu verstecken, Dinge schweben zu lassen oder mit Haushaltsfolie und Vogelsand eine Strandszene zu bauen. Doppel- und Mehrfachbelichtungen gehören zur ‚Hohen Schule‘. Ein aus Papier gebauter ‚blauer‘ Raum mit farbigen Leuchtröhren benötigt dann auch schon mal 16 Belichtungen auf ein und dasselbe Stück Film. (Das Ganze zudem an einem Silvesterabend kurz vor Mitternacht – unsere Art von Feuerwerk)

Es wird viel Kaffee getrunken, es wird geraucht und geknabbert – denn damals gibt es immer irgendwelche Wartezeiten. Zunächst wartet man während der Aufnahmen auf die Polaroids, dann auf die Entwicklung der Dias, bis endlich die getrockneten Filme auf dem Leuchttisch liegen. Häufig ist man noch nicht vollkommen zufrieden und es geht in eine zweite Runde. Je nach Abgabetermin auch nicht selten in eine Nachtschicht. Aber dafür haben wir den vielen Kaffee ja schließlich getrunken. …

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